Ritter Kuno und das Wappen von Fischenich

Das lustige Vereinsmaskottchen der KG Blau-Weiß Fischenich von 1957 e.V. heißt nicht von ungefähr „Ritter Kuno“. Einen Ritter „Kuno von Vyskenich“ gab es in Hürth-Fischenich tatsächlich. Er wurde 1302 erstmals urkundlich erwähnt und starb 1343. Ritter Kuno gehörte einer niederrheinischen Adelsfamilie an, die im Mittelalter zu den großen Rittergeschlechtern in unserer Heimat zählte.

1158 wird das Bauerndorf Fischenich, das schon für die römische Zeit als Siedlungsplatz belegt ist, erstmals urkundlich genannt. Vermutlich war der 1166 in einer anderen Urkunde erwähnte Conradus de Vyskenich der erste bekannte Besitzer der Fischenicher Burg.

Nachweislich seit 1256 bis zum 14. Jh. war auch der Blankartshof in Ahrweiler, ein bedeutender Adelshof und Lehen der Reichsabtei Prüm, im Besitz der Familie derer von Vischenich. Der Hof, der dann später im 14. Jh. auf die erstmals 1176 erwähnte Familie Blankart überging, wurde deshalb auch „Fischenicher Hof“ genannt. Als einziger von ehemals sieben Adelshöfen erhalten, ist dort heute das Stadtarchiv und die Touristeninformation von Ahrweiler untergebracht.

1263 vermittelte Winrich von Vischenich in einem Streit zwischen dem Kölner Erzbischof Engelbert und der Stadt Köln. Der bedeutendste Repräsentant dieses Geschlechtes war Ritter Kuno von Vischenich. Kuno machte 1309 die Burg in Fischenich zum Lehen und Offenhaus (Militärbasis) des Erzbischofs von Köln. Damit waren die Besitzer der Burg auch zur Teilnahme am Kurkölnischen Landtag qualifiziert.

Die Burg Fischenich entstand vermutlich bereits im 10. oder 11. Jh. als Motte oder Rundlingsanlage mit Wehrturm und Holzpalisaden. Sie wurde dann im 13. Jh. als wehrhafter Rundling aus dem Gussmauerwerk der römischen Wasserleitung und mit vier Türmen aus Backstein sowie einer großen Vorburg ausgebaut. Dazu gehörten 250 Morgen Land und mehrere Lehensgüter vom Kölner Stift Maria im  Kapitol.

1320 wurde Ritter Kuno auf Grund eines Schiedspruchs des Grafen Gerhard von Jülich Pfandinhaber und Amtmann der Stadt und der Burg Brühl. Er war dann 1323 als Schiedsrichter zwischen der Stadt Köln und dem Erzbischof und 1329 am Schlichtungsvertrag zwischen dem Erzbischof Heinrich und der Stadt Köln beteiligt. In einer späteren Urkunde wird Ritter Kuno mit dem Herzog von Jülich und weiteren Rittern, „Getreue der Kölnischen Kirche“ genannt.

Der Kölner Erzbischof Konrad von Are-Hochstaden (1238 – 1261) hatte den Fischenicher Rittern gestattet, auf dem Kreuzberg eine feste Burg zu errichten und unter­stützte den Bau auch finanziell. 1343 erbaute Kuno von Vischenich dann die Burg Kreuzberg im gleichnamigen Ortsteil von Altenahr in Rheinland-Pfalz. Dazu bedurfte es der Baugenehmigung  des damaligen Kölner Erzbischofs Walram von Jülich (1332 – 1349), dem auch die benachbarte Burg Are gehörte.

Ritter Kuno machte die Burg zum Offenhaus der Kölner Erzbischöfe und starb im gleichen Jahr (April 1343). Nach seinem Tod ging Burg Kreuzberg an seine Witwe Guda, die später Konrad von Schöneck heiratete und damit den Besitz an seine Familie brachte. Die Besitzverhältnisse wechselten mehrfach. 1686 zerstörten Franzosen die Burg im Zuge des pfälzischen Erbfolgekrieges. Die heutige Burg wurde an gleicher Stelle um 1760 neu errichtet und befindet sich seit 1820 im Privatbesitz der Frei­herren­familie von Boeselager.

Burgruine Fischenich

Sohn Kuno heiratete Gutgin von Binsfeld. Sie hatten fünf Kinder, von denen Conrad von Vischenich 1371 mit Fischenich belehnt wurde. Spätere Nachkommen wurden Raubritter, die während und nach den Wirren der Soester Fehde 1444/49 die Straßen nach Bonn, Zülpich und  Aachen unsicher machten und die Kaufleute ausplünderten. Nach dem Aussterben der Herren von Fischenich im 16. Jh. wechselte die Burg mehrmals ihren Besitzer.

Das Bauerndorf Fischenich und auch die Burg haben in vielen Kriegen und kriegerischen Aus­einander­setzungen sehr gelitten und wurden gegen Ende des 16. Jh. durch pfalzgräfische und bayrische (1581, 1585), dann durch truchsessische (1584 und 1588), spanische (1589), holländische (1591) und Neusser und Moerser (1595) Truppen ausgeplündert und gebrandschatzt.

Außer der Ortslage war auch die strategische Stärke der Burg das Schicksal von Fischenich. Die Vorburg wurde mehrfach  geplündert, niedergebrannt und wieder neu errichtet. Dies sowie Truppenquartierungen hatten die Burgherren finanziell ruiniert und die Burg musste verkauft werden. 1626 wurde der Wohnsitz in der Hauptburg aufgegeben und in die Vorburg verlegt. Seitdem war die Hauptburg dem Verfall preisgegeben.

Die Vorburg wurde weiterhin wie ein landwirtschaftlicher Betrieb genutzt, die Gebäude mehrmals um- und ausgebaut. 1907 erwarben die Cellitin-nen die gesamte Burganlage. Sie errichteten dort ein Kloster sowie eine Hand­arbeitsschule und einen Kindergarten. 1915 bauten sie auf dem Grund­stück ein Altenheim. Alle Gebäude wurden 1981 abgerissen. Dort befindet sich heute eine Reihenhaussiedlung.en

Die heutige Burgruine zwischen Gennerstraße, Jakobstraße und Augustinerstraße gilt als eine der ältesten noch erhaltenen Burganlagen im Vorgebirge zwischen Köln und Bonn. Sie ist damit eines der wichtigsten Zeugnisse hochmittelalterlichen Burgenbaus im Rheinland.

Aus dem 12./13. Jahrhundert stammt auch das über 700 Jahre alte Fischenicher Wappen. Es besteht aus drei Teilen: dem Wappenschild, darüber ein stilisierter Ritterhelm und als Helmzier ein Jagdhund mit Decke. Das Wappenschild zeigt in Silber einen schwarzen Balken, darüber einen schwarzen Fisch. Über dem Helm ist ein rotbezungter Hundekopf mit schwarz-silberner Decke und schwarzem Halsband abgebildet. Die heute von der KG Blau-Weiß Fischenich sowie meist verwendete Darstellung stammt aus dem Buch von Clemens Klug „Hürth – Wie es war, wie es wurde“, Robert Steimel Verlag, Köln, 1961.

Durch die Ruine der Fischenicher Burg, aber auch durch das alte Wappen und „Ritter Kuno“, das sympathische Vereinsmaskottchen der Fischenicher Blau-Weißen, bleibt die  Erinnerung an die wechselvolle Geschichte des Bauerndorfes Fischenich am Rande der Kölner Bucht und an ein früher einmal bedeutsames Rittergeschlecht, dessen Blütezeit nun schon über 700 Jahre her ist, im Bewusstsein unserer Zeit lebendig.

Helmut Görtz

 

Quellen:

Eric Barthelemy – Hürther Beiträge 95: Neue Erkenntnisse zur Baugeschichte der Burg Fischenich; Robert W. Rosellen – Geschichte der Pfarreien des Dekanates Brühl; LVR, KuLaDig “Burg Kreuzberg”; Wikepedia: “Burg Kreuzberg”.

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